Sauber der Höwedes




„Als Jermaine den entscheidenden Elfmeter verwandelt hatte, war das Freude pur. Diese Emotionen lassen sich nicht beschreiben. Ich hätte die ganze Welt umarmen können.“ Die Schalker Nummer eins lief damals direkt in die Kurve, feierte überschwänglich mit den Fans. „Freunde von mir waren beim Spiel und ich bin später über die Absperrung in den Block gegangen, um mit ihnen zu feiern.“
Die Knappen waren sich einig: Das sollte im Rückspiel nicht noch einmal passieren. Vor dem Aufeinandertreffen im größten Stadion Europas warb Jermaine Jones dafür, den „zu großen Respekt“ unbedingt abzulegen. „Jeder hat gemerkt, dass Barcelona nicht unverwundbar ist.“ Vielmehr solle man sich auf dieses Spiel freuen. „Wir wollten doch in die Champions League. Also sollten wir auch versuchen, dort zu bleiben. Ich fahre nicht dahin, um mir die Jungs nur anzuschauen."
Einen Tag nach der 1:5-Niederlage bei Werder Bremen hatten die Knappen am 13. April 2008 Chef-Trainer Mirko Slomka beurlaubt. Im Weserstadion hatte die Mannschaft in einem Festival der Torchancen beste eigene Möglichkeiten nicht nutzen können und war schließlich untergegangen. Die Hanseaten übernahmen durch den Sieg den zweiten Tabellenplatz mit nun zwei Punkten Vorsprung vor den Königsblauen. Diese mussten ihrerseits als Dritter sogar befürchten, von den nur einen Zähler entfernten Verfolgern Hamburger SV und Bayer Leverkusen in den verbleibenden sechs Partien noch überflügelt zu werden, zumal die Leistungen vor dem Debakel in Bremen vor allem spielerisch zu wünschen übrig ließen.
Die Rückrunde der Saison 07/08 verläuft für Kevin Kuranyi bis zu jenem 15. April 2008 höchst seltsam. Zum Auftakt gegen den VfB Stuttgart ist er mit zwei Toren Wegbereiter des 4:1-Siegs gegen die Schwaben. Im Überschwang der Gefühle zieht sich der Angreifer nach seinem zweiten Treffer jedoch das Trikot aus und sieht dafür die Gelbe Karte: Es ist die fünfte Verwarnung, die ihn ausgerechnet beim Derby in Dortmund zur Untätigkeit verurteilt. Zwar gewinnen seine Kollegen auch ohne ihn beim BVB mit 3:2, doch anschließend findet Kuranyi nur mühsam in Tritt.
Und dann das erste Spiel des Trainerduos Büskens und Mulder am 15. April 2008 gegen Energie Cottbus. Schalke drückt eine halbe Stunde lang, dann unterläuft Vragel da Silva ein Eigentor (31.). Der Bann ist gebrochen, die Zeit von Kevin Kuranyi gekommen: „Den ersten Treffer habe ich mir erkämpft“, beschreibt er sein 2:0, als er den Ball aus kurzer Distanz im Zweikampf über die Linie drückt. „Der Schlenzer war mein schönster Treffer an diesem Tag“, freut er sich über sein 3:0 kurz vor der Pause. „Beim meinem dritten Tor hatte ich einfach die Sicherheit, dass ich verwandeln würde“, behält er beim 4:0 frei vor Torhüter Gerhard Tremmel die Nerven. „Und mein vierter Treffer tat weh, weil der Cottbuser Torhüter mich mit der Faust am Kopf traf.“ Im Luftduell knockt Tremmel Kuranyi aus, doch der befördert zuvor den Ball ins Tor.
„Darauf hatte ich ein Jahr hingearbeitet: bereit zu sein, wenn ich gebraucht werde. Ich freue mich auf jedes Spiel!“, meinte Schober. Seine Bilanz konnte sich sehen lassen: In der Bundesliga blieb der 32-Jährige ungeschlagen, bei den Heimspielen gegen Hannover 96 und dem VfL Bochum zudem ohne Gegentor. Bei Werder Bremen hielt er sein Team mit einer starken Leistung in der Partie, machte einige Torchancen zunichte. So war es Heiko Westermann möglich, kurz vor Schluss zum 1:1-Endstand auszugleichen.
Ein flotter Spruch, dem der Sachse Taten folgen ließ. Obwohl er in der zweiten Hälfte, die vom Schiedsrichter durch zwei Platzverweise und eine Reihe von fragwürdigen Entscheidungen nicht unerheblich beeinflusst wurde, dreimal hinter sich greifen musste, waren die Verantwortlichen „nicht unzufrieden mit Ralf“, so Chef-Trainer Fred Rutten. „Er hat Ruhe ausgestrahlt und im Tor so agiert, als hätte er schon einige Bundesligaspiele absolviert.“
Seinen Förderer Lothar Matuschak haben die Leistungen von Ralf Fährmann nicht überrascht. Schalkes Torwarttrainer für den Nachwuchsbereich hält große Stücke auf ihn. „Er ist für sein Alter ein nahezu kompletter Torwart mit guten Reflexen und einer unglaublichen Ruhe im Eins-gegen-Eins. Auch er nimmt gut am Spiel teil, allerdings nicht ganz so konsequent wie Manuel Neuer.“ Er habe vom Torwartspiel her eher Ähnlichkeit mit Renè Adler, der genau wie Fährmann aus Sachsen stammt.
Nachdem der U21-Nationalspieler in der vergangenen Saison in sechs Bundesliga-Begegnungen zum Einsatz kam, stehen in diesem Spieljahr bereits elf Einsätze zubuche. Hinzu kommen fünf Spiele im UEFA-Cup sowie eines im DFB-Pokal. Mit diesen Einsatzzeiten kommt Höwedes seinem großen Traum, Stammspieler bei Schalke 04 zu werden, stetig näher. 
Abseits des Platzes hat sich in den vergangenen neun Jahren für Gerald Asamoah ebenfalls viel getan. Seit Februar 2007 ist er stolzer Papa seiner Zwillinge Jada und Jaden, seit Dezember 2007 hat er seine eigene Stiftung. In der Gerald-Asamoah-Stiftung für herzkranke Kinder engagiert sich der an einem angeborenen Herzfehler leidende Asamoah für Kinder, denen es nicht so gut geht wie ihm. "Ich möchte den Kindern Mut machen, dass sie trotz der Erkrankungen Chancen auf ein normales Leben haben und will mit meiner Stiftung Projekte unterstützen, um gezielt zu helfen."
Für vier Schalker Nachwuchsspieler werden die nächsten Wochen sehr lernintensiv. Denn sie bekommen die Möglichkeit, am Trainingsbetrieb der Schalker Profis teilzunehmen.
Mittelfeldspieler Danny Latza ist seit Beginn der Rückrunden-Vorbereitung nun festes Mitglied des Schalker Bundesliga-Kaders. Schon in der Hinrunde hat der gebürtige Gelsenkirchener, der bereits seit zehn Jahren dem FC Schalke 04 angehört, einige Trainingseinheiten mit den Profis absolviert. Jetzt hat Trainer Fred Rutten ihn fest mit dazu genommen.
Schalkes brasilianischer Spieler Zé Roberto hat seine gegenüber Medien in der Heimat gemachte Ankündigung wahrgemacht und ist nicht zum heutigen Trainingsauftakt erschienen. Eine Entschuldigung oder eine Begründung seinerseits gab es gegenüber dem FC Schalke 04 nicht. 



Der Türöffner: Das U 18-Debüt gegen Österreich. Foto: Archiv
"Das ist keine Entscheidung gegen Schalke, sondern allein eine für mein sportliches Fortkommen", erklärte Fährmann hinterher. "Die Ausbildung hier, das Engagement aller vom Nachwuchsbereich bis zu Lizenzspielerabteilung in den letzten sechs Jahren, haben mir die Möglichkeit, im Profibereich Fuß zu fassen, erst eröffnet. Der Weggang fällt mir sehr, sehr schwer. Aber da Schalke mit Manuel Neuer einen jungen Klassemann sicher langfristig als Nummer eins im Tor stehen hat, muss ich anderswo meine Chance suchen, um auf höchstem Niveau Spielpraxis zu bekommen."
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